Wie geht es unseren Bienen? Unterwegs mit Thomas Busch, Vorsitzender des Imkervereins

Wie geht es unseren Bienen? Unterwegs mit Thomas Busch, Vorsitzender des Imkervereins

Über die Bienen im Kreis Soest

  • Interview mit dem Vorsitzenden vom Imkerverein Soest über den Zustand unserer Bienen
  • Was wir für die Bienen tun können
  • Welche Pflanzen sie mögen und welche nicht
  • Wo man den Honig der Börde-Imker kaufen kann

SOEST, WERL, BAD SASSENDORF, MÖHNESEE  „Honig kann man importieren, das Bestäuben nicht“, macht Thomas Busch deutlich. Er ist Vorsitzender des Soester Imkervereins und Bienen-Sachverständiger im Kreis Soest sowie Mitglied im Prüfungsausschuss Sachverständigen für NRW. Die Aussage führt uns vor Augen, dass wir zwar Honig aus der ganzen Welt kaufen können, damit aber die Bestäubungsarbeit der fleißigen Soester Börde-Bienen nicht fördern.

Das wäre jedoch für den Erhalt unseres Ökosystems vor Ort wichtig, um eine ausreichende Versorgung mit lokalen Nahrungsmitteln auch in Zukunft sicherzustellen.

Dabei ist es ganz leicht, für Bienen und den Erhalt ihres Lebensraums in der Börde etwas zu tun. Was jeder von uns tun kann und worauf wir achten sollten, darüber und über vieles anderes habe ich mit Thomas Busch unterwegs zu seinen Bienenstöcken gesprochen. Das Gespräch gibt es hier zum Nachlesen und viele nützliche Tipps und Links.

bienenstöcke und thomas busch am südufer am möhnesee
Thomas Busch mit seinen Bienenstöcken in der Nähe vom Südufer am Möhnesee

Bördeliebe unterwegs

Zunächst zum Kreis Soest: Dort gibt es gut 4.000 Bienenvölker mit 522 aktiven Imkern (Stand 2022). Die meisten Imker kümmern sich um vier bis sechs Bienenvölker mit rund 50.000 – 60.000 Bienen. Nur ein Drittel der Imker besitzen mehr als 10 Völker. Dazu gehört auch Thomas Busch, der erste Vorsitzende des Imkerverein Soest e.V. – den meisten besser bekannt als Schulleiter vom Hubertus-Schwartz-Berufskolleg. Mit ihm war ich unterwegs, um drei Bienen-Standorte zu besuchen: in Werl-Oberbergstraße, in Britta Berens Gemüse- und Obstgarten (>Gemüsekisten im Abo), am Möhnesee-Südufer bzw. Arnsberger Wald und in Bad Sassendorf im Kurpark. Auf unserer Bienen-Tour durch die Börde ist mir nochmals bewusst geworden, wie groß die Rolle der kleinen Bienen in unserem Ökosystem ist.

bienenstöcke in brittas gemüsegarten oberbergstraße
Bienenstöcke von Thomas Busch in Brittas Gemüsegarten, Oberbergstraße

Als Erstes eine Frage, Thomas, die mich schon länger beschäftigt ist: Gäbe es eigentlich Bienen ohne euch Imker?

Thomas Busch (TB): Nein, Honigbienen nicht mehr. Früher schon. Ein Parasit, die Varroamilbe, hat das natürliche Bienendasein zunichte gemacht. Seit den 80er Jahren macht die Varroamilbe den Bienen und uns Imkern zu schaffen und ist inzwischen ein weltweites Problem. Der Imker muss jeden Bienenstock jedes Jahr daraufhin untersuchen und mit Ameisensäure oder anderen unbedenklichen Säuren behandeln. Würde der Imker nicht eingreifen, würden die Bienen aussterben und es gäbe keinerlei Bestäubung mehr. Das wäre fatal. Denn bereits nach vier Jahren ohne Bienen auf der Welt (mal fiktiv angenommen) gäbe es keine Menschen mehr.

GIBT ES NOCH WILDE BIENEN?

TB: Ja, aber zu wenig. Sie sind kleiner und haben keinen Pelz wie die Honigbiene. Sie sind anders gefärbt und meistens
Einzelgänger. Sie leben in Totholz, in Stauden, im Rasen oder in Mauern. Sie bestäuben auch, geben jedoch keinen Honig. Heute gibt es nur noch ca. 600 Arten in Deutschland. Die Wildbiene ist inzwischen vom Aussterben bedroht und viele Arten sind sogar schon ganz versschwunden. 

großaufnahme biene auf roter margeritenblühte
Bienen haben im Gegensatz zu Wespen einen Pelz und keine "Wesepentaille". Außerdem sind sie eher bräunlich als gelb-schwarz. Biene Maja ist farblich eigentlich eine Wespe.

WAS KÖNNEN WIR FÜR DIE WILDBIENEN TUN? HELFEN BIENENHOTELS IM GARTEN?

TB: Ja, aber nur, wenn eine Blühwiese oder ein anderes Nahrungsangebot in unmittelbarer Nähe ist, also nicht weiter als ca. 50 Meter. Sonst hat die Wildbiene zwar ein Hotel, aber keine Nahrung. Sie wird dann in dieses Hotel nicht einziehen. Zudem sollte der Standort bestimmte Bedingungen erfüllen.

Und was können wir für die Honigbienen tun, wenn wir nicht Imker werden wollen?

TB: Eigentlich ist es ganz einfach: möglichst viele Obst- und Blühpflanzen anschaffen, die die Bienen mögen. Blühstreifen und Blühwiesen sind ideal. In den letzten Jahren ist zum Glück das Bewusstsein dafür gewachsen. Dennoch werden immer noch zu viele Blumen und Pflanzen angeschafft, die nicht den Bienen schmecken.

Welche Pflanzen mögen Bienen am liebsten? (z.B. Dahlien)
Welche Pflanzen mögen Bienen nicht? (z.B. Forsythien)

DIE ANGEBOTENEN HONIGSORTEN RICHTEN SICH NACH DEM  BLÜHKALENDER. WELCHE HONIGSORTEN GIBT ES IN DER SOESTER BÖRDE?

TB: In der Börde blühen im April und Mai u.a. die Robinie, Linde und die Kastanie sowie der Raps und die Ostbäume und Beerensträucher (Stachelbeeren und Johannisbeeren sind sehr beliebt bei Bienen). Die erste Honigernte im Mai/Juni nennt man daher „Frühtracht“. In der Börde mit dem großflächigen Anbau von Raps ernten wir dann auch den „Rapshonig“.

Im Juli und August kommen die Blüten der Linde, die Blatthonige sowie weitere Beeren und Blumen dazu.  Die zweite Ernte folgt im Juli/ August mit der „Sommertracht“. Der Honig aus dem Arnsberger Wald, der u.a. aus dem Nektar der Brombeer-Büsche oder von den Blättern der Eichen gewonnen wird, heißt „Waldtracht“. Im Wald fehlt den Bienen allerdings jetzt die Fichte, die den Stürmen und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Das heißt, den Tannenhonig gibt es bei uns nicht mehr. 

Im Spätsommer und Herbst lieben die Bienen u.a. die Blüten von Astern, Sonnenblumen und Lavendel. Die Pollen sind sehr nahrhaft für die Tiere. Darum wird der Nektar dieser Pflanzen als Wintervorrat  angelegt. Die Bienen sorgen vor, um ihr Volk durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Pollen ist dabei besonders für die Aufzucht der Jungbienen erforderlich.

WOHER WEISS MAN, DASS DIE BIENE NUR IM RAPS WAR UND DER HONIG NICHT MIT NEKTAR AUS ANDEREN PFLANZEN PRODUZIERT WURDE?

TB: Bienen sind blütentreu. In der Fachsprache sprechen wir von der Blütenstetigkeit. Das heißt, wenn den Bienen eine Sorte besonders gut schmeckt, weil sie viel Nektar liefert, dann sammeln sie solange diese eine Sorte bis die Nektarproduktion versiegt. Bienen bewegen sich im Umkreis von 2-3 Kilometern, so dass man – je nach Standort – bestimmen kann, ob sie reinen Nektar oder gemischten zu Honig verarbeitet haben.

WO WIRD DER SOESTER BÖRDE-HONIG VERKAUFT?

TB: Die meisten Imker verkaufen ihren Honig  direkt an ihrer Haustür bzw. an kleinen Verkaufsständen am Grundstück sowie über Wochenmärkte. Auch die Hofläden verkaufen den Honig aus der Region.

Zudem gibt es unseren Honig in vielen Supermärkten der Region. Für die Belieferung kooperieren die Imker in unserem Vereinsgebiet. Verschiedene Imker bündeln ihren Honig und stellen den Supermärkten aktuelle Sorten zusammen, kümmern sich um die Verpackung, die Auslieferung und die Abrechnung mit den Märkten.

Ein Glas kostet an der Haustür ca. 6 Euro (500 g), im Supermarkt  rund 7,00 Euro. Honig ist ein wertvolles, in der Herstellung sehr zeitintensives Nahrungsmittel, das strengen Qualitätsmaßstäben unterliegt. Und außerdem entspricht ein Glas Honig der Lebensleistung von ca. 400 Bienen, die dazu 50.000 Flüge mit einer Kilometerleistung von ca. 100.000 km absolvieren müssen. Die Arbeit des Imkers mit der Betreuung der Bienen, dem Honigschleudern, der Honigpflege, vielen Reinigungsarbeiten und vieles mehr kommt noch dazu.

Für die Honiggläser und die Deckel gibt es übrigens ein Pfandsystem. Sie können beim Imker oder in den Supermärkten zurückgegeben werden. Die Gläser des deutschen Imkerbundes sind derzeit eher knapp und teuer geworden. Daher bitte nicht wegwerfen!

AUSBLICK

Wir haben in den letzten Jahren, dank der Hilferufe der Imker- und Naturschutzverbände, gelernt, dass Bienen systemrelevant sind und unser Ökosystem zusammenbricht, wenn wir es nicht schaffen, die Lebensräume der Bienen wieder auszubauen und zu pflegen. 

HAT SICH DIE LAGE DER BIENEN VERBESSERT? WAS MÜSSEN UND KÖNNEN WIR TUN, UM DAS ÖKOSYSTEM ZU ERHALTEN? 

TB: Die Lage der Honigbiene hat sich etwas verbessert, da sie aufgrund der vielfältigen Aktivitäten mehr in den Mittelpunkt gerückt ist. Jeder kann etwas dazu tun, indem er in seinem Umfeld bei der Auswahl von Pflanzen oder Bäumen darauf achtet, dass diese Anpflanzungen bienenfreundlich sind. Eine solche Vorgehensweise unterstützt dann auch die gefährdeten Wildbienen. Letztendlich möchte ich noch einmal betonen, dass der Verbraucher durch den Kauf heimischer Honige ebenfalls die Arbeit der Imker für die Erhaltung der Honigbienen unterstützt. Ich verstehe dabei viele Imker als aktive Naturschützer. Der Natur- und Umweltgedanke ist in der Arbeit der Imkervereine fest verwurzelt.

 

imkerhonig im supermarktregal bad sassendorf, 500 gramm, 6,99 Euro
Imkerhonig von lokalen Imkern erkennt man an der darauf vermerkten Adresse. Zudem ist es in einem Mehrwegglas. (Foto Edeka Bad Sassendorf)
blühwiese gelb, rot, blau, weiße blümchen
Blühwiese am Rathaus II in Soest (Sommer 2020). Wer eine Blühwiese selbst anlegen will, erfährt per Klick au f das Bild bei Schöner Wohnen wie es geht.

Seit Juni 2023 neu: Soester Wallhonig erhältlich.

Mehr über Bienen gibt es hier:

Bildquellen (eigene Fotos nur in Kombination mit externen Quellen genannt))

  • flower-6574241_1280: bild: pixabay/benkerckx
  • dahlia-1642461_640: bild: pixabay
  • forsythia-7075233_640: bild: pixabay


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