Im Kreis Soest wachsen mehr Pommes- als Speisekartoffeln

Im Kreis Soest werden rund 3-4 Prozent der Flächen für den Kartoffelanbau genutzt. Das hört sich wenig an, doch der Kreis ist groß und nicht überall können Kartoffeln angebaut werden. Es konzentriert sich auf die Soester Börde und entlang des alten Hellwegs von Unna bis Richtung Ostwestfalen. Auf ca. 1/3 der Flächen werden Speisekartoffeln angebaut (rund 700 – 800 Hektar). Sie gehen in den Einzelhandel oder werden in Hofläden oder auf Wochenmärkten verkauft. Die Anbaufläche für Industriekartoffeln ist doppelt so groß (ca. 1.500 – 1.600 Hektar). Sie werden für die Herstellung von Pommes und Chips benötigt und gehen von den landwirtschaftlichen Betrieben an die weiterverarbeitende Industrie. Fabian Napp, Experte für Kartoffelanbau bei der Landwirtschaftskammer, hat für die Aufteilung eine einfache Regel, die auch für Laien verständlich ist: „Westlich von Soest (bis Unna) werden rund 70 Prozent Speisekartoffeln und 30 Prozent Industriekartoffeln angebaut und Östlich von Soest (bis Geseke) ist es umgekehrt: ca. 90 Prozent Industriekartoffeln und nur 10 Prozent Speisekartoffeln.“
KLEINER ANTEIL BIO-KARTOFFELN
Nur rund 2 Prozent der Anbauflächen werden für den Anbau von Bio-Kartoffeln genutzt. Das Geschäftsmodell ist ein komplett anderes als beim konventionellen Anbau. Um pflanzen-gesunde Bio-Kartoffeln zu ernten, müssen optimale Umweltbedingungen geschaffen werden, die sehr aufwendig herzustellen sind. Viel Handarbeit und eine große Portion Risikobereitschaft gehören dazu. Schädlinge oder Extremwetterlagen können die Ernte schnell zunichte machen und den Anbauenden ruinieren. (Dazu wird es einen gesonderten Artikel geben: Wieviel Bio steckt in der Börde?)
Der Boden und das Klima der Soester Börde
Der Boden der Soester Börde ist für Kartoffeln ideal: Er speichert gut das Wasser, ist locker, hat keine Steine und ist nährstoffreich. Alles Faktoren, die dazu beitragen, dass sich die Knollen gut ausbilden können. Bei langen Hitzeperioden und wenig Regen kommt allerdings auch der Bördeboden an seine Grenzen. Das gemäßigte Klima, das unsere Region Jahrhunderte ausgezeichnet hat, wird durch den Klimawandel immer häufiger gestört. Um so wichtiger wird der umsichtige Umgang mit dem Boden, seinen Ressourcen und die Nutzung seiner natürlichen Stärken. (>Blog-Artikel Seit mehr als 20 Jahren: Schenkel-Kartoffeln aus Soest bei REWE)
KARTOFFELN aus der Region sparen CO₂
Kartoffeln werden quer durch Europa transportiert, denn die meisten Verbraucher schauen mehr auf den Preis als auf den Absender. Und der ist bei Kartoffeln aus anderen Regionen oft günstiger. Wer Kartoffeln kaufen will, die nur wenig transportiert wurden und damit CO₂ einsparen, sollte auf lokale Kartoffeln im Supermarkt achten bzw. im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt kaufen.
Zwar gibt es bereits im April und Mai die ersten frischen Kartoffeln, aber Achtung, das ist Importware aus dem Mittelmeerraum. Meistens kommt diese aus Spanien oder Israel, Ägypten und Zypern. Frisch sind die Kartoffeln aus der Börde ca. von Ende Juni bis Mitte August und werden als „Frühkartoffeln“ im Handel angeboten. Lagerkartoffeln gibt es das ganze Jahr über, weil die heutige Kühl- und Lagertechnik eine ganzjährige Versorgung sicherstellt. Worauf bei der Zubereitung von Frühkartoffeln und Kartoffeln zu achten ist und welche Kocheigenschaften für welche Gerichte wichtig sind, ist am Ende dieses Blog-Beitrags aufgeführt.
LOKALE Kartoffeln oder die aus dem Süden? der Preis ist nicht alles
Beim Vergleich stellt man schnell fest, dass es große Preisunterschiede gibt. Obwohl unsere Bördekartoffeln nur ein paar Kilometer zurücklegen, können sie mit den Kartoffelpreisen aus Südeuropa oder Nordafrika nicht mithalten – es sei denn, es handelt sich um einen Aktionspreis im Supermarkt. Der Grund ist einfach: Bei uns ist alles teurer: Saatgut, Löhne, Maschinen, Diesel usw. Unsere Bauern stehen im globalen Wettbewerb, nicht im lokalen. Alle wollen lokal kaufen, aber beim Preis hört der Wille oft auf. Hinzu kommt, dass die Supermärkte die Importware oftmals neben den heimischen Kartoffeln platzieren. Wenn wir als Verbraucher nicht darauf achten, haben die lokalen Landwirte und Landwirtinnen das Nachsehen, weil oft das billigere Produkt genommen wird. Daher ist eine Kontrolle des Absenders am Etikett hilfreich, wenn man für die Region etwas tun möchte.
Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Vor allem sind die Kartoffeln in einem heißen, trockenen Sommer wie 2022 mehliger. Das heißt, sie zerfallen eher. Die Verbraucher beschweren sich dann häufiger. Doch daran können die Landwirte und Landwirtinnen nichts ändern, auch wenn die angebaute Sorte festkochend ist; in lokalen Produkten schmeckt man eben auch das Wetter.
Hat man sich entschieden, was man kochen möchte, sollte man beim Einkauf auf die Etiketten bzw. die Kennzeichnung an den Kartoffeln achten. Generell werden Kartoffeln nach ihren Kocheigenschaften unterschieden:
festkochend
Das heißt, die Kartoffel behält nach dem Kochen ihre Form – als ganze Kartoffel, als Scheibe oder als Würfel. Sie ist geeignet für Salzkartoffeln und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelsalat und Kartoffel-Croûtons (Würfel).
Weitverbreitete festkochende Kartoffelsorten in unserer Region sind: Annabelle, Belana, Cilena, Allians, Goldmarie
vorwiegend festkochend
Die Kartoffel eignet sich für alles, was gekocht, gebraten oder frittiert wird. Quasi ein Allrounder. Das heißt auch für die unter „festkochend“ und „mehligkochend“ aufgeführten Gerichte kann man sie nutzen. Sie bleibt innen bißfest und kann außen etwas aufbrechen. Sie ist geeignet für Eintöpfe und Suppen (wenn sie als Einlage nicht zerfallen soll, sonst s.u. mehligkochend) oder für Aufläufe/Gratin, Tortilla, Gnocchi, Wedges.
Vorwiegend festkochende Sorten in unserer Region sind: Wega, Marabel, Rote Laura (außen rotschalig, innen gelbfleischig)
mehligkochend
Die Kartoffel zerfallen am leichtesten, da sie am meisten Stärke besitzen. Alle Gerichte, in denen die Kartoffel zerkleinert oder gestampft verwendet soll, gelingen damit besser. Sie ist geeignet für Kartoffelpüree, Kartoffelpuffer, Kroketten, Knödel, Kartoffelbrot, Muffins und Suppen (z.B. für eine sämige Suppe, die püriert werden soll). Und insbesondere auch für Pommes oder Chips. Diese sollen zwar nicht zerfallen, aber sie sollen außen knusprig werden und das Frittieren oder Backen geht mit mehligkochenden Kartoffeln besser.
Die mehligkochenden Sorten sind im Vergleich zu den anderen seltener im Handel anzutreffen: bspw. Gunda, Melody, Agria und Lilly
Frühkartoffeln
Die Kartoffeln, die VOR Mitte August angeboten werden, bezeichnet man als Frühkartoffeln. Welche Besonderheiten bei ihrer Verarbeitung zu beachten sind, ist hier genauer aufgeführt.
Mehr über Kartoffeln gibt es auf der Webseite die-kartoffel.de. Dort gibt es viele Tipps zum Kochen, Rezepte und sonstiges Wissenswerte.
Bildquellen (eigene Fotos nur in Kombination mit externen Quellen genannt))
- kartoffel_blühte: bild: jan-hendrik schenkel
- kartoffelanbau_kreis soest: bild: canva, fotomontage ac
