Was wÀchst denn da? Auf KrÀutersuche in der Soester-Innenstadt

Was wÀchst denn da? Auf KrÀutersuche in der Soester-Innenstadt

SOEST

Vor unserer HaustĂŒr wachsen mehr Natur- und HeilkrĂ€uter als man denkt. Wer seinen Blick dafĂŒr schĂ€rfen will, dem empfehle ich eine KrĂ€uterwanderung mitzumachen. Ich habe mich dafĂŒr Ende August bei der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V.  angemeldet, die u.a. solche Touren in ihrem Programm hat.  In einer kleinen Gruppe haben wir uns mit der Expertin Barbara Klein auf eine Entdeckungstour im Soester Westen begeben. Wir waren erstaunt, wie viele KrĂ€uter am Wegesrand stehen. 

Dieser Blog-Artikel gibt einen Überblick, welche Pflanzen und KrĂ€utern wir am FeldmĂŒhlenweg, am Soestbach und an der Werkstraße hinter der Bahntrasse  entdeckt haben. Im Anschluss haben wir selbst Rotöl aus Johanniskraut hergestellt – unter fachkundiger Anleitung. Das empfehle ich sowieso jedem, der sich gar nicht oder wenig mit Pflanzen auskennt. Bei der Verarbeitung von HeilkrĂ€utern kann man viel falsch machen. Daher gilt bei KrĂ€utern wie bei Pilzen: im Zweifel lieber lassen statt machen!     

krĂ€uterwanderung start vor der frauenhilfe am feldmĂŒhlenweg
Start der KrĂ€utertour, geleitet von Barbara Klein, am FeldmĂŒhlenweg in Soest.

Zugegeben, die KrĂ€uterwanderung war mehr ein Stop-and-Go als eine Wanderung.  FĂŒr einen Kilometer haben wir zwei Stunden gebraucht. Doch anders hĂ€tten wir die Natur- und ArzneikrĂ€uter nicht entdecken, anfassen, pflĂŒcken und untersuchen können. Außerdem haben wir ĂŒber die KrĂ€uter viel von unserer KrĂ€uterfachfrau, Barbara Klein, erfahren. Einige Geschichten rund um die Arzneiherstellung mit KrĂ€utern im Mittelalter waren auch dabei. Aufgrund der giftigen Protagonisten hatten die ErzĂ€hlungen nicht immer ein gutes Ende. 

[Hinweis: Dieser Blog hat nicht den Anspruch, Expertenwissen ĂŒber das Thema Natur- und HeilkrĂ€uter zu verbreiten. Dazu gibt es ausfĂŒhrliche Internetseiten und sehr gute FachbĂŒcher. Hier liegt der Fokus auf dem, was in Soest und der Börde wĂ€chst, um unseren Blick dafĂŒr (wieder) zu schĂ€rfen. Im Laufe der Jahrzehnte ist vielen Menschen der Bezug zur Natur abhandengekommen. Dem möchte dieser Blog ein kleines StĂŒck entgegenwirken. Tipps fĂŒr gute Internetseiten zum Thema gibt es am Ende dieses Blog-Artikels. Dabei sind auch Anleitungen, wie man die KrĂ€uter als HeilkrĂ€uter verarbeitet und anwendet.]

GrĂŒn – Gelb – weiß – blau: Die Soester KrĂ€uterlandschaft ist bunt

Unsere Entdeckungen auf der Route FeldmĂŒhlenweg – Soestbach – Hammer Straße – Katroper Weg – Werkstraße und zurĂŒck:

Diese Liste umfasst die wichtigsten KrÀuter, die uns auf unserer Route begegnet sind, lÀngst nicht alle.

VOR DER FRAUENHILFE AM FELDMÜHLENWEG

WEGWARTE (Auch zichorie)

Gleich zu Beginn unserer KrĂ€utertour begegneten wir einer der schönsten WildkrĂ€uter. Die Wegwarte ist mit ihren blauen BlĂŒten ein Hingucker und mit Auszeichnungen reich dekoriert: 2020 Heilpflanze des Jahres, 2009 Blume des Jahres und 2005 GemĂŒse des Jahres. Um sie zu entdecken, braucht es etwas GlĂŒck. Ihre BlĂŒten öffnen sich nur einen Tag, zumeist an einem Vormittag. Danach macht sie sich quasi wieder unsichtbar und verschmilzt mit ihrer Umgebung. Wie ihre Familienmitglieder ChicorĂ©e, Radicchio und Endivie hat auch die Wegwarte reichlich Bitterstoffe und wird sowohl in der KĂŒche als auch in der Naturheilkunde eingesetzt. Die gesamte Pflanze ist essbar: von der BlĂŒte bis zur Wurzel. Heute wird sie als Arzneimittelpflanze hauptsĂ€chlich bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Im Krieg hat man die Wurzel getrocknet, geröstet und gemahlen und Kaffee-Ersatz damit hergestellt. Auch ihre Verwandtschaft ist prominent: bspw. die Kornblume, die Arnika oder der Löwenzahn. Die Wegwarte hat ebenso ‚zackige‘ BlĂ€tter wie ihr bekannter Verwandter, jedoch sind ihre spitzer zulaufend. Und wie es sich fĂŒr eine Prominente gehört, ranken sich um sie zahlreiche Mythen, Sagen und Lyrik. Hermann Löns hat ihr sogar ein Gedicht gewidmet.
2 fotos wegwarte blĂŒte in blau
Die schöne Wegwarte, die ihre blau-lila BlĂŒte nur an einem Vormittag öffnet.

Schafgarbe (auch Katzenkraut oder Tausendblatt)

Die Schafgarbe ist zu erkennen an ihren gezackten BlĂ€ttern (fachlich richtig mĂŒsste es ‚wechselstĂ€ndig und gefiedert‘ heißen). Die BlĂŒten sind weiß, orange, seltener lila oder rosĂ©.  Sie ist im Rasen Ă€ußerst lĂ€stig, weil sie ihn verdrĂ€ngt, um sich selbst immer weiter auszubreiten. Sie ist der Globetrotter unter den KrĂ€utern, da sie sich auf der ganzen Welt zu Hause fĂŒhlt.  Medizinisch wird sie als „Bitter-Tonikum“ beschrieben, weil sie bei Verdauungsstörungen und Koliken hilft.  
3 fotos schafgarbe
Schafgarbe

Goldrute (auch Petrusstab oder Wundkraut)

Sie ist ursprĂŒnglich wohl EuropĂ€erin, die meisten ihrer Familie wohnen jedoch in Nordamerika. In Nebraska und Kentucky ist sie Nationalblume. Die Goldrute ist schlank, Ă€ußerst hĂŒbsch und ĂŒberstrahlt viele andere, weil sie bis zu zwei Meter groß werden kann. Sie ist sehr egoistisch und scheut sich nicht, heimische Pflanzen zu vereinnahmen. Ihre gelben, ĂŒppigen, hĂ€ngenden Dolden fallen sofort auf.  Auch Bienen und Insekten werden so auf sie aufmerksam und nutzen sie gerne als Landeplatz. Sie gilt daher als ökologisch wertvoll.  In der Antike wurde sie ursprĂŒnglich zur Wundheilung eingesetzt, hat sich jedoch zur Heilung von Nierenleiden und Harnstein einen Namen gemacht, weil sie die Nierenproduktion anregt.    
2 fotos: links goldrute ganze pflanze, rechts blĂŒte
Goldrute

Nachtkerze (auch Nacht- oder Abendblume)

Die Nachtkerze  ist zur See gefahren und von Amerika kommend bei uns heimisch geworden. ZunĂ€chst hat sie als Zierpflanze in GĂ€rten und Parks gewohnt, bis es ihr dort zu eng wurde.  Sie ist ausgebrochen, völlig verwildert und lebt heute auf der Straße. Man trifft sie an BahndĂ€mmen, Böschungen, an StraßenrĂ€ndern oder auf Brachen. Trotz ihres wilden Lebens hat sie Karriere gemacht und ist als Naturheilkraut mit eigenem Markennamen, dem „Nachtkerzenöl“ bekannt geworden. Es ist eines der bekanntesten Öle bei Hautproblemen, z.B. bei Neurodermitis oder Ekzemen.  
 
2 fotos der nachtkerze, ganze pflanze, blĂŒte
Nachtkerze

Spitz- und Breitwegerich (auch Heil- oder Wundwegerich)

Der Wegerich ist  ‚der König der Wege‘, trittfest, damit Ă€ußerst robust und als Heilpflanze seit der Antike im Einsatz. Vor allem steht er praktischerweise dort, wo man ihn als Wanderer oder Pilger benötigt, am Wegrand: Der Saft seiner zerquetschten BlĂ€tter hilft als Wundauflage bei gelaufenen Blasen, bei juckenden Insektenstichen oder Sonnenbrand. Am hĂ€ufigsten wird er als Tee, Saft oder Sirup gegen Husten und Heiserkeit, Bronchitis oder Mund- und HalsentzĂŒndungen eingesetzt.  Der Spitzwegerich war 2014 Arzneipflanze des Jahres.  
Trotz seines giftigen Verwandten, dem Fingerhut, sind Wegeriche auch essbar.  Aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehalts eignet er sich fĂŒr WildkrĂ€utersalat, KrĂ€uterquark, Pesto oder Smoothies.  

3 fotos spitzwegerich (rispe und blatt in der hand, rispen, blĂŒten)
Breitwegerich (Fotos links und Mitte), Spitzwegerich (Foto rechts)

FeldmĂŒhlenweg/ Ecke Schwemeckerweg 

SALBEI (Foto unten, links)

Der Salbei ist ein bekanntes GewĂŒrzkraut, das aus der mediterranen KĂŒche nicht wegzudenken ist. Das Salbeiblatt gehört zum Kalbsschnitzel fĂŒr die ‚Saltimbocca alla Romana‘ dazu wie die Kapern zu den Königsberger Klopsen.  Mit Salbei werden fettige Gerichte bekömmlicher und erhalten ein unverwechselbares Aroma. Wir kennen ihn in GrĂŒn, doch er kommt in vielen Farben vor. Seine BlĂŒten sind essbar, auch die Insekten mögen sie. Als Heilkraut wird Salbei seit der Antike bei HalsentzĂŒndungen oder ErkĂ€ltungskrankheiten eingesetzt.    

BORRETSCH (AUCH GURKENKRAUT – FOTO UNTEN, MITTE)

Er hat gewissermaßen Haare auf den ZĂ€hnen bzw. seinen BlĂ€ttern. Das hĂ€lt Bienen nicht davon ab, den Borretsch zu lieben. Denn er produziert viel Zucker und ist daher fĂŒr die Honigproduzentinnen ein Festmahl.  FĂŒr den Menschen schmeckt er nicht sĂŒĂŸ, sondern – wie sein anderer Name ‚Gurkenkraut‘ sagt, nach Gurke. Der Borretsch ist in der KĂŒche gut, jedoch aufgrund seiner möglicherweise leberschĂ€digenden Bestandteile, dosiert zu gebrauchen – ob als Salat, auf dem Brot, mit Tomate oder als einer von sieben Ensemble-Mitgliedern der berĂŒhmten Frankfurter Sauce. Seine rosĂ© blauen BlĂŒten sind ebenfalls essbar und werden gerne fĂŒr die Dekoration auf dem Teller oder kandiert in SĂŒĂŸspeisen verwendet. Als Heilpflanze kommt der Borretsch bei Hautproblemen zum Einsatz.

Lavendel (Foto unten rechts)

Der Lavendel duftet betörend. Seine Ă€therischen Öle sind aus der Parfum- und Kosmetikherstellung nicht wegzudenken. Im Badewasser entfaltet er beruhigende Wirkung, genauso wie als Tee. Doch er riecht nicht nur gut, er sieht auch gut aus und schmĂŒckt fast alle GĂ€rten und BlumenkĂ€sten. Er steht wie keine andere Pflanze fĂŒr SĂŒdfrankreich und versetzt uns beim Anblick gleich in eine mediterrane Stimmung. In der KĂŒche ist er vielfĂ€ltig einzusetzen: als Aromatiseur von Fisch und Fleischgerichten, im KĂ€se, Honig oder Eis.   
3 fotos: salbei, borretsch, lavendel
Salbei, Borretsch, Lavendel

Ackerschachtelhalm (Auch Zinnkraut oder Pferdeschwanz)

Die Pflanze aus der Familie der Farne ist wortwörtlich eine ‚alte Schachtel‘.  Ihr Alter wird auf 400 Millionen Jahre geschĂ€tzt. Im Volksmund heißt der Schachtelhalm auch ‚Zinnkraut‘, weil man damit – man glaubt es kaum – frĂŒher Zinn poliert hat. Die Pflanze enthĂ€lt KieselsĂ€ure und taugt somit als Scheuermittel. Auf Äckern ist sie lĂ€stig. Das kĂŒmmert sie jedoch wenig. Sie wĂ€chst dort liebend gerne und auch an vielen anderen Stellen auf der Nordhalbkugel der Erde. Die grĂŒnen Sprossen des Ackerschachtelehalms werden in der Heilkunde fĂŒr die Herstellung von Tees, SĂ€ften oder Pulver verwendet, die bei diversen Krankheiten zum Einsatz kommen, u.a. bei Nieren- und BlasenentzĂŒndungen, Rheuma und Arthrose oder auch bei Hautproblemen und Schuppen. 
 
Verwechslungsgefahr besteht mit dem Sumpfschachtelhalm: Dieser ist hochgiftig! Fressen Pferde auf der Wiese oder ĂŒber das Heu zu viel davon, können sie Vergiftungen bekommen.   
foto ackerschachtelhalm
Ackerschachtelhalm

FELDMÜHLENWEG/ AM SOESTBACH

2 fotos: gruppe und soestbach
KrÀutertour-Stopp am Soestbach

Echte Kamille

Jeder kennt die Kamille: als Pflanze, als Tee, Tinktur, Sitzbad, Spray oder Creme. Sie ist das bekannteste Wildkraut. 2002 wurde sie zur Heilpflanze des Jahres erklĂ€rt. Zuvor war sie 1987 Arzneipflanze des Jahres. Ein Star unter den KrĂ€utern ist sie bereits seit Jahrhunderten. Professionell angebaut wird sie in Argentinien, Ägypten, Ungarn und Bulgarien. 

In der Natur die Echte Kamille von der ‚Falschen‘ zu unterscheiden, ist gar nicht so einfach. Die Echte Kamille duftet stark nach Kamille, die andere fast gar nicht.  Die Echte wird 15 – 50 Zentimeter hoch, die andere höher.  Die Echte hat recht kleine BlĂŒten, die nach der Befruchtung nach unten hĂ€ngen. Der Körbchenboden in der Mitte ist erst flach, wölbt sich dann stark nach oben und ist hohl.  Die anderen Kamillearten haben oftmals grĂ¶ĂŸere BlĂŒten und einen flachen Körbchenboden, der gefĂŒllt ist. Die Verwechselungsgefahr ist fĂŒr Laien groß. Experten sezieren die BlĂŒte und schauen nach dem Hohlraum unter dem BlĂŒtenkörbchen. 

Ihre DoppelgĂ€nger wie Hundskamille, Strandkamille oder Geruchlose Kamille können der Echten noch so Ă€hnlich sein; sie können ihr nicht das Wasser reichen. Ihre chemische Zusammensetzung ist eine ganz andere. Die heilenden Bestandteile, bspw. die Ă€therischen Öle, sind in den „Falschen“ nicht enthalten.  Die Echte Kamille ist und bleibt die Heilpflanze schlechthin gegen ErkĂ€ltungskrankheiten, bei Margen- und Darmproblemen oder Hautkrankheiten. Ihre BlĂŒten sind essbar und kommen in WildkrĂ€utersalaten, SĂŒĂŸspeisen oder zur Dekoration in der KĂŒche zum Einsatz. 

2 fotos echte kamille, pflanze und blĂŒten in groß
Echte Kamille

Johanniskraut (auch Wundkraut)

Ein weiterer Star am KrĂ€uterhimmel ist das Johanniskraut. Es heißt so, weil es um den Johannistag (24. Juni) bis in den Oktober hinein blĂŒht. Es ist Heilkraut seit der Antike und war 2015 Arzneipflanze des Jahres. Das Johanniskraut ist bekannt als Öllieferant. Wir haben (siehe Fotos unten) daraus Rotöl hergestellt. Es soll gegen Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Sonnenbrand helfen, weil es entzĂŒndungshemmende und schmerzlindernde Bestandteile enthĂ€lt. Wer sich selbst an die Rotöl-Herstellung machen will, findet auf der Internetseite bei krĂ€uterbuch.de ein Rezept. 

Verwechslungsgefahr besteht mit dem Jakobskreuzkraut. Dieses ist hochgiftig! Wenn Pferde und Rinder, aber auch Schafe und Ziegen, auf der Wiese oder ĂŒber Heu und Silage zu viel davon fressen, fĂŒhrt das zu einer Lebervergiftung. Die Landwirtschaftskammer hat detaillierte Informationen dazu auf ihrer Internetseite. 

2 fotos mit johanniskraut, abschneiden einiger zweige, blĂŒten in groß
Johanniskraut

Gemeiner Odermennig (auch Ackerkraut oder Magenkraut, Foto unten links)

Der Gemeine Odermennig war bis ins frĂŒhe Mittelalter ein Star unter den KrĂ€utern. Dann geriet die Pflanze lange Zeit in Vergessenheit. Erst die letzten Jahre wurde sie als Mittel gegen Durchfall und EntzĂŒndungen wiederentdeckt. Es ist eine anspruchslose Pflanze, die mit mageren Böden auskommt und als winterhart und robust gilt.  Die kleinen gelben BlĂŒten sitzen wie eine Ähre am oberen Teil der Pflanze.  FĂŒr die Verwendung in der KĂŒche ist sie zu bitter. Die gezackten grĂŒnen BlĂ€tter beinhalten jedoch Ă€therischen Öle und Gerbstoffe, die bei Gallen-, Leber- und Magenbeschwerden helfen sollen sowie bei EntzĂŒndungen der Haut oder in Mund und Rachen. 

Wilde Möhre (Foto unten Mitte und Rechts)

Die Wilde Möhre gehört zu den Urahnen der heutigen Karotte, zu der eine große Familie gehört. Entfernte Verwandte sind Anis, Dill oder KĂŒmmel.  Sie gleicht einer hellen Petersilienwurzel mehr als der orangefarbenen Möhre. Die gezĂŒchtete rote Karotte hat der Wilden Möhre den Rang abgelaufen, weil diese schwer in großen Mengen zu beschaffen ist. Die ganze Pflanze jedoch ist in der KĂŒche verwertbar: die Wurzel als GemĂŒse, das GrĂŒn und die Samen als WĂŒrze. Auch Insekten und Wildbienen mögen ihr Nektar und Vögel die Samen.  
2 fotos: links gemeiner odermennig, mitte rechts wilde möhre
Gemeiner Odermennig (Foto links), Wilde Möhre

WERKSTRASSE (HINTER BAHNTRASSE)

Brennnessel

Ihre berĂŒchtigten Haare brennen auf der Haut wie Feuer und bilden rote Quaddeln, wenn man sich mit ihnen anlegt. Das ist die AmeisensĂ€ure, die in den BlĂ€ttern und StĂ€ngeln der Brennnessel sitzt. Gartenfreunde mögen sie nicht, weil sie immer gleich im Rudel daherkommt, ĂŒber 3 Meter werden kann und ihre Wurzeln sich so in der FlĂ€che ausbreiten, dass man sie nur schwer wieder loswird. Wo Brennnesseln wachsen, ist der Boden stickstoffreich und muss nicht weiter gedĂŒngt werden. Das Kraut mag es nĂ€mlich anspruchsvoll und wĂ€chst nur auf nĂ€hrstoffreichen, leicht feuchten Böden. 

Als Unkraut verpönt, wird es seinem Nutzen nicht gerecht. Insekten lieben es, und die Brennnessel ist vielseitig als Heil- und KĂŒchenkraut einzusetzen. Gegen FrĂŒhjahrsmĂŒdigkeit als Suppe soll sie helfen und richtig zubereitet gut schmecken. Sie taugt auch als Alternative zu Spinat oder als Basilikum-Ersatz im Pesto. Der Vorteil ist, dass sie durch den Kochvorgang nicht mehr brennt und daher in der Speiseröhre oder im Magen keinen Schaden anrichtet. Im Gegenteil: Brennnesseln erhalten viel Vitamin C, Calcium, Magnesium, Eisen und Eiweiß. Die Pflanze wird heute gerne bei Harn- und Nierenbeschwerden, Reizblase oder Prostatabeschwerden eingesetzt, weil sie den Stoffwechsel anregt, harntreibend wirkt sowie entzĂŒndungshemmend und schmerzlindernd ist. In der Homöopathie wird sie bei Hautproblemen verwendet.

2 fotos brennnessel gelb blĂŒhend, verblĂŒht mit weißen dolden
Brennnessel

Eisenkraut (auch Verbene)

Im Gegensatz zur Brennnessel ist das Eisenkraut genĂŒgsam und wĂ€chst auf nĂ€hrstoffarmen, trockenen Böden. DafĂŒr bildet es tiefe Wurzeln. Bei uns finden wir das Eisenkraut hĂ€ufig an WegrĂ€ndern, auf Wiesen oder auch BrachflĂ€chen und SchuttplĂ€tzen. Als pflegeleichte Topf- und Gartenpflanze kommt sie sehr gut an. Das Eisenkraut kennt alle Farben, außer gelb. Seit Jahrhunderten ist das Eisenkraut ein wertvolles Heilkraut, das bei unzĂ€hlig vielen Krankheiten eingesetzt wurde. Heute wird es ĂŒberwiegend als Tee gegen UnruhezustĂ€nde, Schlafstörungen und leichte Depressionen angewendet oder bei Magen- und Darmbeschwerden. FĂŒr Insekten ist die Pflanze ebenfalls wertvoll. 
2 fotos eisenkraut in weiß und in lila
Eisenkraut (Verbene)

RAINFARN (AUCH WURMKRAUT)

FĂŒr bestĂ€ubende Insekten sind die BlĂŒten des Rainfarns ein Festschmaus. Wenn jedoch der Mensch zu viel von den Ă€therischen Ölen abbekommt, sind Haut- und Atemweg-Reizungen und leichte Vergiftungen sicher. Der Rainfarn spielt deshalb in der KĂŒche keine Rolle mehr und wird durch andere KrĂ€uter ersetzt. Die eigene Verarbeitung ist sogar untersagt, weil die hohen Anteile des giftigen Thujons zu gefĂ€hrlich sind. Als Pflanzenschutzmittel gegen BlattlĂ€use, Weiße Fliegen oder andere lĂ€stige SchĂ€dlinge ist ein Sud aus Rainfarn dagegen gut geeignet. Ein Rezept dazu findet man bei KrĂ€uterbuch (siehe Link am Ende des Beitrags).

foto vom rainfarn
Rainfarn

HAMMER STRASSE (ALTE UNTERFÜHRUNG)

Rotklee (auch Wiesenklee)

Es gibt kaum eine Wiese, auf der er nicht vorkommt. Wir haben den Rotklee vor der alten Hammer-UnterfĂŒhrung entdeckt. Er ist fĂŒr Bienen und andere Insekten eine Ă€ußerst anziehende und bedeutende Nahrungsquelle und spielt als Nutzpflanze und Heilkraut in der ersten Liga. Der Rotklee ist Futterpflanze und eine wichtige Eiweißquelle fĂŒr die Tiere in der Landwirtschaft. Seine wichtigen Mineralstoffe und Spurenelemente wie Vitamin B1, B3 und C sowie Magnesium, Calcium und Kalium machen ihn auch als KĂŒchenkraut interessant fĂŒr KrĂ€uterquark oder Smoothies zusammen mit anderen KrĂ€utern. In der Heilkunde wird er heute schwerpunktmĂ€ĂŸig in Form von Kapseln, Tee oder Tinkturen angeboten und bei Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt, weil der Rotklee Phytoöstrogene enthĂ€lt, die als Hormonersatz fungieren. 
2 fotos vom rotklee, 1 x mit hummel

ANDERES GRÜN AM WEG

4 fotos: lindenblĂŒten, weißdorn, holunder, aster
Foto v.l.n.r.: Lindenbaum, Weißdorn, Holunder, Aster

LEIBSEELEKÜCHE (GEBÄUDE AUF DEM GELÄNDE AM FELDMÜHLEN WEG)

Herstellung von Rotöl aus Johanniskraut

2 fotos von barbara klein und der gruppe
KrÀuterfachfrau und Imkerin Barbara Klein zeigt der Gruppe wie man Rotöl aus Johanniskraut herstellt.
2 fotos: herstellung rotöl aus johanniskraut
Herstellung von Rotöl: Die BlĂŒten und Stengel vom Johanniskraut werden zerpflĂŒckt, in ein Schraubglas gegeben und mit kaltgepresstem Olivenöl aufgefĂŒllt. Das Glas gut verschließen und an einem sonnigen Ort im Haus sechs bis acht Wochen stehen lassen.
foto visitenkarte und foto bÀrbel klein
Boerdeliebe-Wissen: Über die evangelische Frauenhilfe in Westfalen
Warnhinweis Verwendung KrÀuter

Bördeliebe-Tipp: Gute Internetseiten ĂŒber KrĂ€uter

 

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Es gibt viele tolle Webseiten und BĂŒcher ĂŒber KrĂ€uter. Schickt mir gerne eure Tipps.

Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e. V. - GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Pfarrerin Birgit Reiche, Vorsitzende Angelika Waldheuer - FeldmĂŒhlenweg 19 - 59494 Soest - Tel. 02921 371-0 - www.frauenhilfe-westfalen.de

Bildquellen (eigene Fotos nur in Kombination mit externen Quellen genannt))

  • wegwarte: bilder: pixabay
  • schafgarbe: bilder: boerdeliebe, pixabay
  • goldrute: bilder: bördeliebe, pixabay
  • nachtkerze: bilder: boerdeliebe, pixabay
  • spitzwegerich: bilder: boerdeliebe, 2 x pixabay
  • salbei_borretsch_lavendel: bilder: boerdeliebe, pixabay
  • echte_kamille: bilder: boerdeliebe, pixabay
  • johanniskraut: bilder: boerdeliebe, pixabay
  • brennnessel: bilder: boederliebe, pixabay
  • eisenkraut: bilder: bördeliebe, pixabay
  • rotklee: bilder: pixabay, boerdeliebe
  • bumblebee-1200×630: Bild: Pixabay


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