Schokolade im Kopf und Backen im Blut – Karin Steinhoff

WELVER-BORGELN
Hier wird’s süß und knusprig
In diesem Beitrag geht es um Folgendes:
- Wer steckt hinter Bäckerei Steinhoff und was hat sich in 125 Jahren verändert?
- Warum die Schokolade eine Zeitenwende eingeleitet hat.
- Was man bei einem Schokoladen-Tasting macht
- Das Schokoladen-Café
- Zusammen stark – jeder packt an
- Was Qualität bei Steinhoff heißt.
- Bördeliebe Tipps zum Verschenken oder Essen
- Wo es Steinhoff-Produkte zu kaufen gibt.
Karin Steinhoffs Gedanken kreisen oft um Schokolade. Wen wundert’s, dass ihr neuer Podcast „Schokolade im Kopf“ heißt. Einmal wöchentlich geht sie damit seit April 2023 „auf Sendung“. Sie ist seit 2018 Schokoladen-Sommelière und gehört damit zu den wenigen Schokoladen-Expertinnen weltweit, die die Gastronomie und Privatleute rund um Schokolade in Kombination mit Speisen und Getränken berät.
Sie weiß nicht nur viel über das schwarze Gold, sie hat auch drei Schokoladensorten in Paris kreiert und stellt damit u.a. ihre eigenen Pralinen her. 2021 hat sie für ihre vegane Kreation gefüllt mit natürlichem Himbeermark erstmals eine Auszeichnung erhalten. Die gelernte Konditorin und Bäckermeisterin steckt in ihre Schokoladen- und Pralinenkreationen und feine Backwaren ihre ganze Leidenschaft. „Es gibt für mich keinen schöneren Beruf“, ist sich Karin Steinhoff sicher. Sie hat das Backen in die Wiege gelegt bekommen. In der vierten Generation hält sie mit rund 80 Mitarbeitenden im Stammhaus in Borgeln und in sieben Filialen in Soest, Bad Sassendorf und Ampen das Bäckerhandwerk hoch: sie schwört auf natürliche Zutaten und vor allem Ruhe für den Teig, die sie sich selbst am wenigsten gönnt.
Von der Landbäckerei zur Konditorei
1897 startete Urgroßvater Fritz Steinhoff in dem kleinen Ort Welver-Borgeln, ca. 5 km nördlich von Soest, neben der Landwirtschaft mit einer Bäckerei und Gastwirtschaft, bald kam ein Festsaal dazu. Dort traf sich die Dorfgemeinschaft zum geselligen Beisammensein und Tanztee. Die Adresse „Borgelner Linde“ ist vielen Älteren in der Soester Börde heute noch ein Begriff für Feierlichkeiten, Schützenfeste und das bekannte Brot aus der Landbäckerei Steinhoff.
„Früher wurde das Brot mit einem Ochsenkarren in die Kundschaft in die umliegenden Dörfer und Bauernhöfe gefahren“, erzählt Karin Steinhoff. „Meine Eltern haben die Auslieferung sogar noch bis in die 90er Jahre aufrechterhalten.“
(Anmerkung der Autorin: Das Brot habe ich als Kind und Teenager geliebt und mich gerne sofort nach der Anlieferung bei uns auf dem Hof darüber hergemacht – am liebsten mit „dick Butter und Rübenkraut“ (Zuckerrübensirup). Waren wir zu mehreren Kindern haben wir auch schon mal ein ganzes 2 kg-Brot geschafft. Bei Steinhoffs konnte zum Glück gleich nachbestellt werden …)
Wende zur Jahrtausendwende
Karins Eltern dachten um die Jahrtausendwende darüber nach, die Verantwortung der Landbäckerei mit zwei Filialen und zwei Verkaufswagen einem Pächter zu übertragen, da beide Kinder eine andere berufliche Richtung eingeschlagen hatten. Doch sie hatten die Rechnung ohne ihre Tochter gemacht. „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass unser Geschäft in fremde Hände kommt“, sagt Karin Steinhoff rückblickend. Ihre Entscheidung hätte sie nie bereut, kurzerhand ihr Studium der Indologie, Romanistik, Philosophie und Geschichte mit dem bodenständigen Bäckerhandwerk getauscht zu haben. „Aber auch das Studium bereue ich nicht“, weiß sie heute und ist froh über diesen Umweg, der ihr viel Wissen auf ganz anderen Gebieten beschert hat. Sie machte ihre Ausbildung zur Konditorin im Turbogang und mit Auszeichnung. Sie wurde Bäckermeisterin und Betriebswirtin des Handwerks und übernahm 2003 entschlossen und mit großen Plänen die Bäckerei.
Vor der Schokolade waren die Kinder im Kopf
„Ich habe zunächst gar nicht so viel geändert“, erinnert sie sich an die Anfangsjahre im heimischen Betrieb, in dem ihre Eltern zunächst noch tatkräftig mit anpackten. „Ich habe Gutes einfach weitergemacht und behutsam um Neues ergänzt.“ Damit sei sie in den ersten Jahren in den Beruf hineingewachsen und gut damit gefahren. Ihre Söhne kamen zur Welt, und vieles drehte sich erst einmal um die Kinder. Als alleinerziehende Mutter war in ihrem Kopf damals noch kein Platz für Schokolade.
Rustikales, dann auch feines
Die Kundschaft einer rustikalen Landbäckerei, bekannt für gutes Brot und Blechkuchen, war nicht von heute auf morgen für Veränderungen und „das Feine“ zu haben. Erst die Schokolade brachte eine Veränderung ins Rollen, die niemand für möglich gehalten hatte. Karin Steinhoff konnte auf einmal ihre Kreativität bei Schokolade und Pralinen sowie Torten und Törtchen ausleben.
Die schokolade hat alles verändert – erneute wende zum 125-Jährigen Jubiläum
Die Schokoladen-SommelIÈRe
Pünktlich zum 125. Geburtstag der Bäckerei im Jahr 2019 war die umtriebige Konditorin mit ihrer Zusatzausbildung fertig und geprüfte „Schokoladen-Sommelière“. Nur rund 100 Fachleute gibt es in diesem Bereich weltweit. Ihre eigene Pralinenkollektion ließ nicht lange auf sich warten, und es gab sogar eine Jubiläumsschokolade zum Firmengeburtstag, die noch heute als „Jubilée“ im Verkauf ist: eine dunkle Vollmilchschokolade mit fast 50 Prozent Kakaoanteil (Titelfoto links). Mit dieser Schokolade wird auch noch die ‚Braune-Butter-Praline‘ hergestellt, die fein mit Muskatblüte abgeschmeckt wird. Auch ihr Traum von einem Schokoladencafé hat sich ein Jahr vor dem 125-Jährigen mit der Erweiterung der Bäckerei-Verkaufsräume in Borgeln erfüllt.
Bekannt aus FUNK und Fernsehen
Karin Steinhoff ist seitdem begehrte Expertin für das „schwarze Gold“. Die Medien wurden auf sie aufmerksam und berichten regelmäßig. Mit ihrer Expertise war sie bereits im WDR-Fernsehen beim „Vorkoster“ Björn Freitag, in der „Hier und Heute“-Küche und auch bei RTL. Auf Radio-Hellweg hört man in der Börde von ihr, sowohl als Frühstückslieferantin für Radio-Aktionen als auch mit eigener Radiowerbung. In den Sozialen Medien ist sie selbstverständlich auch aktiv, denn die Kanäle sind feste Bestandteile der Werbung und PR bei Steinhoff heute.
Für ihre vegane Pralinen-Kreation mit Himbeermark-Füllung (im Bild unten rechts) hat sie 2021 und 2023 Auszeichnungen erhalten. „Ich liebe es, mit den unterschiedlichen Zutaten bei Schokolade zu spielen“, berichtet sie begeistert aus ihrer Schokostube und erzählt von sehr ungewöhnlichen Experimenten mit Schinken und Tomate oder mit Gänseleberpastete und Preiselbeeren.
Mit allen Sinnen: Probieren als Event
Dass diese seltsam klingenden Geschmackskombinationen tatsächlich schmecken und mit einem passenden Wein abgerundet werden können, davon konnten wir uns selbst überzeugen. Wir hatten mit mehreren Frauen ein Schokoladen-Tasting gebucht und wurden von Karin Steinhoff in die Welt der Kakaobohnen, Verarbeitung, der Arbeitsbedingungen und Herstellungsprozesse sowie an interessante Kombinationen mit Sojasauce und roter Bete herangeführt. (Anmerkung der Autorin: Selbst ich, die eigentlich kaum Schokolade isst und eigentlich „nur“ zum Schreiben dabei sein wollte, war begeistert. Wir hatten mit jedem knackigen Biss in die Schokolade neue Geschmackserlebnisse, die auf der Zunge „dahinschmolzen“.)
Was ist ein Schokoladen-Sommelier?
Ein Schokoladen-Sommelier, die weiblichen Form im Französischen ist „Sommelière“, berät rund um die besten Geschmackskombinationen mit Schokolade. Wie der Wein-Sommelier im Restaurant den passenden Wein zum Essen empfiehlt und sich um Einkauf und Lagerung kümmert, empfiehlt ein Schokoladen-Sommelier, welche Schokolade am besten zu welchen Zutaten oder Gerichten, Desserts und Getränken passt. Man braucht dafür eine feine Zunge
und alle Sinne, um die kleinsten Nuancen und unterschiedliche Bestandteile wie bspw. Kakaosorten aus verschiedenen Ländern/ Kontinenten oder Früchte herauszuschmecken.
Interessant dazu: Artikel über Foodparing im Magazin der Süddeutschen Zeitung
DAS SCHOKOLADEN-CAFÉ
Das Schokoladencafé direkt an der viel befahrenen Hammer Landstraße in Welver-Borgeln ist beliebter Stopp für Pendler und Radfahrer zwischen Soest und Hamm. Hier kann man nicht nur Brot, Backwaren, belegte Brötchen und Überbackenes für den Snack zwischendurch kaufen, sondern auch draußen sitzen, im schönen Ambiente Kaffee trinken oder Schokolade, Kuchen oder Teilchen genießen. Die handgemachten Schokoladen-Kreationen sind in einer klimatisierten Vitrine untergebracht. Zu besonderen Anlässen gibt es die Schokoladenprodukte in allen Läden. Die Pralinen gibt es allerdings nur in Borgeln und bei Rewe an der Niederbergheimer Straße in Soest. Bei Bestellungen auch in andere Filialen.
Zusammen stark
Die Bekanntheit der Chefin als Schokoladen-Sommelière gab dem Imagewechsel von der Landbäckerei Steinhoff zur Konditorei einen großen Schub. Auf einmal war ein feineres Sortiment möglich und von den Kunden nicht nur akzeptiert, sondern wertgeschätzt. Karin Steinhoff macht keinen Hehl daraus, dass nicht immer alles einfach ist und schlaflose Nächte sowieso zum „Back“programm gehören, wenn morgens um vier Uhr die Filialen beliefert werden müssen: „Ich habe großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erzählt sie stolz. „Ohne die würde ich das alles nicht schaffen“.
offen für Neue Ideen
Sie und ihr Geschäftsführer, Bertold Giepen, hätten die letzten Jahre viel verändert und zögen an einem Strang, um nach und nach neue Ideen umzusetzen. Zum Beispiel hätten sie eine Tagesschicht eingeführt, um Auszubildende und Mitarbeitende zu gewinnen, die keine Nachschicht machen könnten oder wollten. Außerdem scheue sie sich nicht, externe Beratung zu suchen und anzunehmen, um voranzukommen. So wächst ihr kleines Familienunternehmen langsam, aber sicher: Neben dem Stammsitz mit Verkauf, Schokoladen-Café und Backstube in Borgeln gehören jetzt sieben Filialen in Soest, Ampen und Bad Sassendorf zu Steinhoff.
Qualität der Backwaren durch Natürlichkeit und Regionalität
Im Unterschied zu vielen Großbäckereien wird bei Steinhoff Wert auf natürliche Zutaten gelegt. „Viele Kundinnen und Kunden sind an künstliche Aromen (sog. Flavours) in Snacks, Kaffees oder Fruchtsäften so gewöhnt, dass Backwaren „ohne Zusatzstoffe“ für manche ungewohnt schmecken“, weiß Steinhoff aus Erfahrung. Trotzdem möchte sie weiterhin auf Geschmacksverstärker und Zusatzmittel verzichten. „Wir müssen wieder lernen wie Lebensmittel ohne Behandlung und Mittelchen schmecken“, ist sie überzeugt.
Verzicht auf FERTIGES und Künstliches
„Die langen Zutatenlisten bei Industriebroten und -brötchen könnten mitverantwortlich für viele Allergien sein, mit denen Kinder und auch Erwachsene zu tun haben“, vermutet die Bäckermeisterin. Das Backen mit „Tütchen“, wie sie die verpackten Zusatzstoffe nennt, hätte durchaus viele Vorteile: „Der Teig geht schneller, die Form bleibt stabiler, ein langer Transport macht der Ware nichts aus, die Produkte bleiben länger frisch und sie sehen länger gut aus“.
Möglichst regionale und lokale Zutaten
Trotzdem hat man sich bei Steinhoff für den mühsamen und teureren Weg „möglichst ohne Hilfsmittel“ in der Backstube entschieden. Das heißt: Verzicht auf Fertigbackmischungen, Frischhaltemittel, Aromaverstärker oder künstliche Farbstoffe. Qualitativ hochwertige und gesunde Backwaren mit regionalen und lokalen Produkten herzustellen, sei ihr wichtig. Das Weizenmehl kommt vom Möhnesee aus der Romberg Mühle, das Roggenmehl aus Weslarn von der Schlotmann Mühle. Eier, Obst und Beeren überwiegend von Hofläden aus der näheren Umgebung. Und – beim Backen wird dem Teig noch ein Luxus zuteil, der selten geworden ist: er wird noch mit den Händen geformt und darf so lange ruhen wie nötig. – Denn in der Ruhe liegt am Ende seine Kraft und der Geschmack von Brot und Brötchen.
Steinhof in Welver-Borgeln (Borgelner Linde) Stammhaus und SChokoladen-Café
(MO-FR 5:30 – 18:00 UHR, SA 5:30 – 17:00 UHR, SO 8:00 – 17:00)
Hammer Landstraße 2, 59414 Welver-Borgeln, Tel. 02921 80270
STEINHOFF IN SOEST (bei Penny, Walburger tor)
(MO-FR 5:30 – 18:00 UHR, SA 5:30 – 13:00 UHR, SO 7:00 – 11:00)
Vor dem Walburger Tor 5, 59494 Soest, Tel. 02921 6665380
Steinhoff in Soest (Innenstadt)
(MO-FR 5:30 – 18:00 UHR, SA 5:30 – 13:00 UHR, SO 8:00 – 11:00)
Grandweg 29, 59494 Soest, Tel. 02921 15079
STEINHOFF IN SOEST (BEI REWE PASSGANG)
(MO-SA 6:00 – 20:00 UHR, SO 7:00 – 11:00)
Niederbergheimer Straße 52, 59494 Soest, Tel. 02921 9819599
Steinhoff in Soest (Süden)
(MO-FR 5:30 – 18:00 UHR, SA 5:30 – 12:00 UHR, SO 7:00 – 11:00)
Siegmund-Schultze-Weg 98, 59494 Soest, Tel. 02921 3501510
STEINHOFF IN SOEST (Westen, früher Borghoff)
(MO-FR 6:00 – 18:00 UHR, SA 6:00 – 13:00, SO 8:00 – 10:00 und 14:00 – 16:00)
Hattroper Weg 32, 59494 Soest, Tel. 02921 13379
Steinhoff in Soest-Ampen
(MO-FR 5:30 – 18:00 UHR, SA 5:30 – 12:00 UHR, SO 7:00 – 11:00)
Werler Landstraße 227, 59494 Soest-Ampen, Tel. 02921 60882
STEINHOFF IN BAD Sassendorf
(MO-FR 6:00 – 18:00 UHR, SA 6:00 – 13:00, SO 8:00 – 10:00 und 14:00 – 16:00)
Bahnhofstraße 28, 59505 Bad Sassendorf, Tel. 02921 369727
neu eröffnet: schokolädchen (FUssgängerzone ggü. müller)
DO-Sa 10:00 – 18:00 UHR)
Brüderstraße, 59494 Soest [aktualisiert am 17.11.2023, Blog-Artikel dazu folgt]
Die hier aufgeführten Filialen und Öffnungszeiten können von den tatsächlichen abweichen! Änderungen liegen im Verantwortungsbereich der Bäckerei.
Bildquellen (eigene Fotos nur in Kombination mit externen Quellen genannt))
- steinhoff_altesbild_borgelner linde: Steinhoff
- steinhoff_brote_borgeln: Steinhoff
- steinhoff_konf: Steinhoff
- steinhoff_karin_sommeliere: Steinhoff
- steinhoff_schokotasting: Isabell Zacharias, Andrea Câmen
- fotocollage_schokolade (760 x 400px): CANVA
- steinhoff_mitarbeitende 760x400px: Steinhoff
- steinhoff_backen 760-x-400px: Steinhoff
- berliner (760 x 400 px): Steinhoff
- steinhoff_snacks (760×570): Steinhoff
- tipp_steinhoff_ersatz: Andrea Câmen und Steinhoff
- steinhoff_logo: Steinhoff
- siegel_chocolate_award_gold_2023: Steinhoff
- steinhoff_borgeln_titel2: Steinhoff


