Außen zottelig, innen zart – Galloways in Bettinghausen

Bad Sassendorf-Bettinghausen
Von ihren schottischen Vorfahren haben sie eine große Portion Sturheit, einen friedlichen und genügsamen Charakter und eine äußerst robuste Gesundheit geerbt. Die heutige Generation lebt in vielen Ländern – quasi mit schottischem Migrationshintergrund und ist voll integriert. Gemeint ist die Rinder-Rasse „Galloway“, die nach einem Verwaltungsbezirk in Schottlands Süden benannt ist. Seit den 70er Jahren werden die Tiere in Deutschland gehalten und gezüchtet.
Eickhoffs Freiland-Galloways auf Gut Groskurth
Im Kreis Soest sind zwölf Höfe als Mitglieder im Bundesverband Deutscher Galloway-Züchter verzeichnet. Doch es gibt inzwischen weit mehr landwirtschaftliche Betriebe, die Galloways halten, ohne explizit zu züchten. Beispielsweise Northoffs Galloways in Lippetal-Hultrop (> Outdoor-Spezialisten mit dickem Fell und schwarzen Locken) und die Freiland-Galloways in Bad Sassendorf-Bettinghausen, um die es in diesem Beitrag geht. Theresa und Christian Eickhoff haben sich dort auf dem Hof Groskurth ihren Traum von einer eigenen Galloway-Herde und einem Hofladen erfüllt.
Nachdem Marika Groskurth, die Hof-Eigentümerin, aus gesundheitlichen Gründen ihre Pferdezucht und -haltung aufgeben musste, wartete der landwirtschaftliche Betrieb und seine umliegenden Flächen quasi auf eine neue Nutzung. Eickhoffs fanden dort für ihre Pläne ideale Voraussetzungen: große Wiesen- und Weidenflächen für die Rinder in der Nähe des Hofes, Gebäude zum Ausbau für einen Hofladen und ein großes Gutshaus, in dem eine separate Wohnung für das junge Paar abgetrennt werden konnte.
Beide betreiben die Galloway-Haltung und die Vermarktung des Fleisches und anderer Produkte im Hofladen nebenberuflich. Christian Eickhoff kümmert sich als geprüfter Agrarbetriebswirt neben der Rinderhaltung noch um den Ackerbau für eine Biogasanlage in der Nachbarschaft, und Therese Eickhoff ist hauptberuflich Justizfachwirtin am Oberlandesgericht (OLG) in Hamm.
Aus drei wurden 40 – dem Tierwohl sei dank
2014 fing alles an. Inzwischen sind aus drei Rindviehchern über 40 geworden. Die Galloway-Herde mit Bullen, Mutterkühen und Rindern hat auf den Wiesen in Bettinghausen ihr eigenes kleines Paradies: Langes, grünes, immer saftiges Gras, eine Wasserstelle, große Buschreihen als Schattenspender im Sommer – und ein Leckerli zwischendurch wie zum Beispiel frische Äpfel. Die Tiere leben das ganze Jahr über draußen und sind nur im Winter im Stall auf Stroh, wenn die Wiesen zu matschig werden. Dann stehen Silage und Heu auf dem Speiseplan.
Die Mütter bringen ihre Kälber in der freien Natur ohne menschliche Hilfe zur Welt und dürfen sie in Ruhe groß ziehen. Auch ist die Milch ausschließlich den Kälbern vorbehalten, die in der Regel neun bis zehn Monate bei ihren Müttern bleiben. Manche Mutterkühe leben bereits seit vielen Jahre bei Eickhoffs und sorgen regelmäßig für weiteren Nachwuchs.
So einfach kann artgerechte Haltung und Tierwohl sein, unabhängig von politischen Initiativen rund um dieses viel diskutierte Thema.
Äpfel als Snack zwischendurch
Mich als Besucherin haben die Galloways neugierig begrüßt und freundlich aber wachsam angestarrt. Als jedoch Christian Eickhoff mit dem Eimer Äpfel kam, setzte sich die ganze Herde erwartungsfroh in Bewegung, um vom Obst was abzubekommen. Ein Biss, kurz gekaut, vor Verzückung gesabbert und weg waren die Äpfel. Übrig blieben nach wenigen Minuten nur noch sehnsüchtige Rinderblicke in den leeren Apfel-Eimer. Als nichts nach kam, ging die Herde ganz unaufgeregt weiter ihrem Tageswerk nach: dem Grasen.
Außen zottelig, innen zart
Die hornlosen Tiere sind mit ihrem zotteligen Fell wirkliche Hingucker. Manche erinnern mit ihren gelben Ohrmarken an Plüschtiere. Insbesondere die kleinen Kälbchen sind einfach putzig. Bei Eickhoffs gibt es schwarze, braune, beige und braune Galloways (offiziell: schwarz, blond und rot). Darüber hinaus gibt es noch interessante Mischungen, z.B. die ganz hellen (weiß), die nur süße dunkle Ohren und Mäuler haben und schwarze Füße (Klauen), oder welche, die aussehen als wenn sie einen weißen breiten Gürtel umhätten. Diese werden auch in der Fachsprache als „belted“ („begürtelt“) bezeichnet.
Galloways sind reine Fleisch- und keine Milchkühe. Die Milch bekommen ausschließlich die Kälber von ihren Müttern. Gemolken wird nicht. Die Tiere haben die Besonderheit, dass sie Gras überdurchschnittlich gut verwerten können. Da zudem keinerlei Mastfutter zum Einsatz kommt, bringen sie ein hervorragendes, zartes Fleisch hervor. Mehr Bio geht nicht.
Frisches Fleisch direkt ab Hof
Auch wenn man sich beim Anblick der Rinder das Schlachten nicht vorstellen möchte, darf man nicht vergessen, dass es Nutztiere sind, die wertvolles, zartes Fleisch liefern. Allerdings ist der Schlachtrhythmus ein komplett anderer als in der Massentierhaltung. Dort wird in möglichst kurze Zeit gemästet und nach wenigen Monaten geschlachtet. Wohingegen die Freiland Galloways frühestens nach drei Jahren geschlachtet werden. Das erledigt Fleischerei Kleeschulte für Eickhoffs. Das Zerlegen und Verpacken machen sie selbst. Dafür haben sie hinter ihrem Hofladen Extraräume geschaffen, wo einmal im Monat das frische Fleisch geschnitten und abgepackt wird. Was nicht direkt verkauft wird, wird eingefroren. So bekommt man in Eickhofs Hofladen das ganze Jahr über Braten, Steaks, Würste, Hackfleisch oder Suppenfleisch. Zum Thema Galloway-Fleisch und was man aus den einzelnen Fleischstücken Leckeres kochen oder braten kann, gibt es in kürze einen eigenen Blog-Artikel mit Rezepten.
Eickhoff und Müller GbR - Christian und Theresa Eickhoff - Lange Str. 2
59505 Bad Sassendorf - Bettinghausen - Telefon: 0173-589 2644 - E-Mail: info@freiland-galloways.de - Web: www.freiland-galloways.de - geöffnet ist der Hofladen am Mittwoch 15-18 Uhr und Samstag 9 - 12 Uhr

